Da mich aufgrund meiner Seite im Internet www.panasera.de/deutsch immer wieder Anfragen von Leuten hinsichtlich der DaF-Ausbildung und der späteren Aussichten auf dem DaF-Arbeitsmarkt erreichen, habe ich mich entschlossen, diese Seite zu verfassen, auf der hoffentlich alle eure Fragen beantwortet werden.


Arbeitsmarkt / Arbeitsbedingungen / Arbeitsplätze / feste Stellen im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) / Sprachunterricht allgemein

In der Regel alles auf Honorarbasis

Es gibt praktisch keine festen Stellen, alles läuft auf Honorarbasis (d. h. kein Urlaubsanspruch, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein Mutterschutz, kein Erziehungsurlaub, kein Kündigungsschutz, keine Arbeitslosenversicherung, kein Arbeitgeberanteil bei der Krankenversicherung). Man erfährt grundsätzlich immer erst ca. 4 Tage vorher, ob der Kurs, für den man einen Vertrag hat, überhaupt stattfindet oder mangels Teilnehmern abgeblasen wird. Dann hat man seine Zeit verplant und steht mal wieder vor dem Nichts. Normalerweise bekommt man von den Schulen auch keine Verträge, die länger als 1 Monat sind. Das an Schulen übliche Honorar ist gewöhnlich auch nicht gerade üppig, normal sind in Berlin ca. 14,00 Euro pro 45 Minuten gehaltenen Unterricht - Vorbereitung und Korrekturzeit werden natürlich nicht bezahlt. Bei einer gegebenen Stundenanzahl von 24 Unterrichtsstunden pro Woche (wenn man denn das Glück hat, so viele geben zu können) kommt man also auf 336,00 Euro brutto pro Woche und etwa 1400,00 Euro brutto pro Monat. Dies natürlich nur, wenn man wirklich genügend Stunden zusammengebracht hat, keinen Urlaub gemacht hat, nicht krank geworden ist und der Kurs nicht aus irgendwelchen Gründen doch nicht stattgefunden hat.
In anderen Städten, z. B. München, kann das Durchschnittshonorar auch etwas höher sein, ca. 16 - 18 Euro pro 45 Min. Unterricht. Dort sind dann aber auch die Lebenshaltungskosten normalerweise höher.
Allerdings kann man bei diesem Geschäft auch sehr viel weniger verdienen. Das schlechteste Honorar, das mir in Berlin je ernsthaft angeboten wurde, waren 15,00 DM (7,67 EUR) pro 45 Minuten gehaltenen Unterricht. Ich konnte es glücklicherweise ablehnen. Aber auch diese Schule findet Lehrer.

Eine freiberufliche Lehrerin müsste übrigens mindestens 42,00 EUR (!) Honorar pro Unterrichtsstunde erhalten, um einen Stundenlohn zu erzielen, der mit dem einer Grundschullehrerin vergleichbar wäre. (Berechnung). Dann hätte sie zwar das Einkommen, die soziale Absicherung (Kündigungsschutz, Mutterschutz, etc., etc.) natürlich immer noch nicht. Daher müsste eine freiberufliche Lehrkraft eigentlich noch deutlich mehr verdienen, um einen Ausgleich für die soziale Absicherung zu haben, die eine Grundschullehrerin genießt.

Die einzigen Schulen, die besser zahlen, (wenn auch nicht 42,00 EUR) sind das Goethe-Institut und die Volkshochschulen in großen Städten. Aufgrund der sonst üblichen Marktbedingungen ist der Druck auf eine freiberufliche Lehrerin / einen freiberuflichen Lehrer, die/der bei diesen Institutionen arbeitet, natürlich extrem hoch. Alle wissen einfach, dass auf den freiberuflichen Arbeitsplatz beim Goethe-Institut draußen fünfzig schlecht bezahlte LehrerInnen heiß sind. Die Schränke dieser Schulen quellen mit Bewerbungsunterlagen von hoffenden DaF-LehrerInnen über. Wer beim Goethe-Institut arbeiten will, muss normalerweise noch eine - natürlich unbezahlte, aber sehr gute - Zusatzausbildung vom Goethe-Institut machen.
Die wenigen festen Stellen haben in der Regel Leute, die heute älter als Mitte 40 sind. Früher stellten die Schulen, insbesondere das Goethe-Institut, noch fest an. Heute ist das nicht mehr der Fall.

Wie hoch der Druck auf Lehrerinnen und Lehrer an allen Schulen ist, wenn sie als Honorarkräfte arbeiten, kann man am besten daran ablesen, wie sich der/die Durchschnittslehrer/in im Krankheitsfall verhält: Sie schleppen sich hin, bis sie sich nicht mehr aufrecht halten können, und zwar nicht nur wegen des befürchteten Verdienstausfalls, sondern insbesondere aus Angst, den Job ganz zu verlieren. Deutschlehrer gibt's wie Sand am Meer und man ist ganz schnell zu oft krank und dann ganz schnell seinen Job völlig los. Ich selbst habe Deutschlehrer erlebt, die mit Hexenschuss und unter entsetzlichen Schmerzen vor der Klasse standen. Gang und gäbe ist es, Stimmbandprobleme zu verschleppen. Kaum ein Lehrer auf Honorarbasis kann es sich leisten, so etwas wirklich auszukurieren. Auch Schwangerschaft ist jobtechnisch äußerst riskant. Häufig bekommt eine Deutschlehrerin auf Honorarbasis keinen Kurs mehr, wenn sie ihrem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft mitteilt. "Schwangere Lehrerinnen sind ein zu großes Risiko." heißt es da lapidar. Mutterschutz gilt eben nur für Festangestellte.

Ein Grund, warum die privaten Sprachschulen ihre Lehrkräfte so schlecht bezahlen, ist, dass sie mit den staatlich subventionierten Preisen der VHS konkurrieren müssen. Dieser Umstand erschwert es auch Honorarkräften, eigene Unternehmen zu gründen.


Nur muttersprachliche Lehrerinnen / Lehrer haben auf dem Sprachmarkt eine reale Chance

Da es ein Überangebot an Sprachlehrerinnen und Sprachlehrern gibt, können sich Sprachschulen sozusagen die Rosinen herauspicken. Als Nicht-Muttersprachlerin / Nicht-Muttersprachler hat man in Deutschland praktisch keine Chance eine Arbeit als Sprachlehrer/in an privaten Sprachschulen zu finden, egal ob für Deutsch, Englisch oder jede andere Sprache.


Viele Deutschlehrerinnen anderweitig finanziell abgesichert

Oft sind Deutschlehrerinnen, die an privaten Schulen arbeiten, verheiratet und über ihren Mann finanziell und versicherungstechnisch abgesichert, was natürlich die Preise verdirbt und die Sache für diejenigen, die keinen finanzkräftigen Mann im Rücken haben, nicht gerade leichter macht.

In diesem Zusammenhang noch einen Hinweis für all jene, die beim Ehepartner kostenlos mitkrankenversichert sind: Die gesetzliche Mit-Krankenversicherung erlischt automatisch, sobald die/der Mitversicherte mehr als 345,00 EUR monatliches Einkommen gleich welcher Art hat. Wer also mitversichert ist, plötzlich ins Krankenhaus muss und mehr als 345,00 EUR Einkommen pro Monat hat, darf die ganze Krankenhausrechnung selbst bezahlen, wenn die Krankenkasse das Einkommen nachprüft. Einzige Ausnahme: Wenn die/der Mitversicherte ausschließlich eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) ausübt und kein anderes Einkommen hat, darf das Einkommen bis zu 400,- EUR betragen.

Und Deutsch als Fremdsprache (DaF) im Ausland?

Für das Ausland gilt im Prinzip das Gleiche: Die wenigen gut bezahlten Stellen, z. B. vom DAAD, sind heiß umkämpft, alle anderen müssen sich mit Bedingungen abfinden, die teilweise noch schlechter als in Deutschland sind. Ein weiterer Punkt ist, dass die Stellen im Ausland normalerweise auf 2 bis höchstens 5 Jahre befristet sind und man danach erst mal wieder mit leeren Händen dasteht. Wenn man Ende 20 ist, ist das noch kein Problem. Aber mit Mitte 50 sieht die Sache schon ganz anders aus.

Auch wenn einem das auf den ersten Blick nicht sofort klar ist: Der beste Markt für Deutsch als Fremdsprache sind die deutschsprachigen Länder. Leute, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz leben, brauchen einfach Deutsch. Und wenn man es nicht kann, ist die Motivation es zu lernen ziemlich hoch. In nicht-deutschsprachigen Ländern ist diese Motivation naturgemäß geringer und damit natürlich auch die Bereitschaft, etwas in Deutschunterricht zu investieren.

Was kann man tun, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?

Die Gewerkschaften GEW und ver.di haben Arbeitskreise gebildet, um die Situation der freiberuflichen Honorarkräfte zu verbessern. Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Mitarbeit (ORGANISIERT EUCH!) unter:

GEW ver.di


DaF-Studiengänge: Wo kann ich Deutsch als Fremdsprache (DaF) studieren?

Ihr wollt trotz der oben genannten Fakten immer noch? Nun denn. Der Pluspunkt bei dieser Arbeit ist, dass das Unterrichten wirklich Spaß macht und die Schüler und Schülerinnen fast immer wirklich nett sind.

Einen Überblick über die Studiengänge Deutsch als Fremdsprache (DaF), inkl. Fernstudium, bietet folgende Seite von Fariborz Dadkhah.



Tipps: Woran erkenne ich einen guten DaF-Studiengang?

Ganz wichtig: Vor Aufnahme des Studiums muss man sich genau über die Studieninhalte informieren. Die gehen nämlich an den verschiedenen Universitäten - obwohl doch alle eigentlich das Gleiche anbieten - weit auseinander. Dazu solltet ihr Vorlesungsverzeichnisse gründlich lesen, nur was wirklich angeboten wird, zählt. Manche Kurse werden nur jedes 2. Semester angeboten, also immer mindestens 2 Ausgaben lesen.

Ein brauchbares DaF-Studium sollte euch mindestens Kenntnisse zu folgenden Feldern vermitteln:

Entwicklung von sprachlichem Können, d. h. Erstspracherwerb (= Muttersprache), gesteuerter / ungesteuerter Zweitspracherwerb (= Fremdsprache), etc.
Vermittlung von Deutsch (Didaktik der Grammatik, Wortschatz, Ausprache, Lektüre, Literatur...)
Unterrichtsbeobachtung und -analyse
Unterrichtsplanung
Lehr- und Lernmittel, Lehrwerksanalyse (wie finde ich das geeignete Lehrwerk für meinen Kurs?)
Landeskunde Deutschland, Österreich, Schweiz
Deutschsprachige Literatur
Deutsche Sprachwissenschaft
Fachsprachen-Didaktik (wie vermittle ich z. B. Wirtschaftsdeutsch?)
Fehler und Fehlerkorrektur
Tests, Prüfungen, Bewertungen
evt. Geschichte der Fremdsprachenlehr- und -lernmethoden

DaF-Studiengänge, in denen man sich semesterlang mit den Morphemen des Deutschen im Mittelalter oder regionalen Besonderheiten des Deutschen in Niederbayern beschäftigen kann, die aber nur wenig oder nichts zu den oben genannten Feldern bieten, sind für die Praxis kaum hilfreich.


DaF-Praktikum: Wo kann ich Praktika für Deutsch als Fremdsprache finden?

Einen Überblick über DaF-Praktika weltweit bietet die Seite der Uni Mainz.
Generell finden sich Praktika am leichtesten an gemeinnützigen Einrichtungen, die z. B. kostenlose bzw. superbillige DaF-Kurse für Flüchtlinge anbieten. Private Sprachschulen geben sich häufig bei der Bitte nach Praktika recht zugeknöpft - in eine private Sprachschule kommt normalerweise nur rein, wer schon Unterrichtserfahrung mitbringt.



Immer noch Fragen oder Verbesserungsvorschläge? DaF@panasera.de


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